3D-Druck in der Industrie

Automechanika in Frankfurt: Halle 9

Bosch nutzt virtuelle Fehleranalysen (AR)

indexNoch bis zum 17. September kann man in Frankfurt auf der Automechanika den Messestand von Bosch besuchen. Dort präsentiert das Unternehmen Komponenten, Systeme und Dienstleistungen sowie Lösungen für Abläufe und Leistungsangebote. „Wir haben unser Angebot rund um die Vernetzung konsequent ausgebaut: vom Fahrzeug über die Werkstätten bis zum Handel. Wir sind davon überzeugt, dass die Vernetzung das prägende Thema dieser Automechanika sein wird“, sagte Uwe Thomas, Vorstandsvorsitzender des Bosch-Geschäftsbereichs Automotive Aftermarket, während der Pressekonferenz in Frankfurt. So können Werkstätten mit Hilfe virtueller Fehleranalysen (Augmented Reality) zielsicher die nötigen Reparaturschritte erkennen. Mit neuen Telematik-Lösungen unterstützt Bosch den wirtschaftlichen Betrieb von Flotten und ermöglicht neue Angebote für Versicherungen.

Bosch Automotive Aftermarket ist 2015 wie der gesamte Aftermarket um rund acht Prozent gewachsen. Ein Teil dieser Entwicklung ist dabei von Währungseffekten begünstigt worden. „Wir konnten im vergangenen Jahr unsere Position weiter festigen. Für 2016 planen wir erneut ein zum Markt vergleichbares Wachstum von drei bis vier Prozent“, sagte Thomas. Auf dem Hauptmarkt Europa erzielte Bosch Automotive Aftermarket ein Plus von rund fünf Prozent. „Wir erwarten für die weitere Entwicklung eine deutliche Verschärfung des Wettbewerbs, da wir von einem eher moderaten Wachstum im europäischen Markt ausgehen“, erklärte Thomas.

Starke Entwicklung in Indien

Keine großen Veränderungen hingegen zeigt der nordamerikanische Markt. In der zweitgrößten Absatzregion wird auch 2016 eine stabile Entwicklung erwartet. Schwierig bleibt die Situation in Lateinamerika, wo die Absatzmärkte der Autoindustrie regelrecht eingebrochen sind. Angesichts dieser Entwicklung konnte sich Automotive Aftermarket erfreulich gut behaupten. Weiterhin positiv entwickeln sich die Märkte in Asien. „Insbesondere in Indien konnten wir im vergangenen Jahr mit einem Plus von gut sieben Prozent zulegen. Damit lag das Wachstum dort sogar höher als in China. Und das war kein Ausreißer. Wir gehen davon aus, dass sich dieser Trend auch 2016 fortsetzt“, erklärte Thomas. Allerdings bleibe China weiter von großer Bedeutung. Dort wird für die kommenden Jahre ein deutliches Wachstum erwartet.

Bosch-Ersatzteilprogramm bietet komplette Lenksysteme

Zugelegt hat Bosch Automotive Aftermarket auch produktseitig, vor allem durch die Integration von ZF Lenksysteme GmbH. Während das Erstausrüstungsgeschäft des ehemaligen Gemeinschaftsunternehmens den neuen Geschäftsbereich Bosch Automotive Steering bildet, erfolgt vom Bosch Aftermarket-Bereich die Versorgung des Handels. „Zudem steuern wir über unseren Geschäftsbereich die Aufbereitung alter Lenkungen“, betonte Thomas. Der konsequente Austausch von Verschleißteilen, umfangreiche Qualitätskontrollen und Funktionsprüfungen bei der Aufarbeitung sichern eine jederzeit hohe Qualität der Produkte. „Die Werkstatt und ihre Kunden können sich somit darauf verlassen, dass die Komponenten und Lenksysteme so sicher und funktionsfähig sind wie die Original-Neuteile“, so Thomas.

Vernetzung verändert die Branche

Die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung der Fahrzeuge und ihrer Umgebung führt auch zu einer grundlegenden Veränderung in den Werkstätten und im Teilehandel. „Service, hohe Transparenz, attraktive Dienstleistungen sowie eine individuelle Ansprache und Betreuung der Kunden bekommen auch in Werkstätten und im Teilehandel eine immer größere Bedeutung, sie werden essentiell. Ich gehe sogar noch einen Schritt weiter: Service und der noch intensivere Kontakt zu den Endkunden sind der entscheidende Schlüssel für künftigen Geschäftserfolg“, erklärte Thomas.

Grundlage für diese neue Realität ist die zunehmende Vernetzung im und um das Fahrzeug. So sind heute mit wenig Aufwand Telematik-Daten abrufbar, anhand derer die Werkstatt den aktuellen Fahrzeugzustand erkennen und die dazu erforderlichen Arbeiten vorbereiten kann – lange bevor das Fahrzeug in den Betrieb kommt. Das schafft Vorteile und Planungssicherheit für alle Beteiligten: Dem Flottenbetreiber für seine Terminplanung, der Werkstatt für die Arbeitsdisposition bis zum Großhandel für die Teilelogistik.

Neue Geschäftsmodelle über die Bosch-IoT-Plattform

Vernetzte Fahrzeuge ermöglichen es, verschiedene Dienstleistungen miteinander zu kombinieren. Hierzu werden leistungsstarke Internet-Plattformen erforderlich sein, auf denen sich bestehende und neue Geschäftsmodelle miteinander verknüpfen lassen. Bosch bietet den Betrieben eine derartige Plattform, die Bosch-IoT-Cloud, die speziell die Bedürfnisse von Werkstätten und Großhandel berücksichtigt. „Wir kennen diese Anforderungen sehr genau, weil wir selbst in der Branche aktiv sind und uns entlang der gesamten Wertschöpfungskette auskennen. Darum können wir maßgeschneiderte Lösungen anbieten, die für die Branche speziell entwickelt und nicht aus anderen Ansätzen angepasst wurden“, erklärte Hans-Peter Meyen, Bereichsvorstand Bosch Automotive Aftermarket für Diagnostics und Technik. Ein Beispiel hierfür ist die neue Software „Connected Repair“. Connected Repair vernetzt alle Systeme innerhalb der Werkstatt. „Werkstattbesuche lassen sich dadurch leichter planen und auch die Arbeitsabläufe im Service können verbessert werden. Fahrzeugdaten und die Reparaturhistorie liegen bei Ankunft des Kunden bereits vor, Daten werden automatisch zwischen Servicegeräten übertragen und gespeichert“, erläuterte Meyen.

Neue Telematik-Lösungen

Telematik-Daten aus den Fahrzeugen lassen neue Services entstehen, die das herkömmliche Produktgeschäft ergänzen. Den Werkstätten bietet sich beispielsweise die Möglichkeit einer engen Kooperation mit Flottenbetreibern. Beide Seiten profitieren von der Bosch-Lösung. Flottenbetreiber erhalten einen guten Überblick über Status, Fahrverhalten und anstehende Reparaturen. Kleinere Fuhrparkbetreiber wie beispielsweise Lieferdienste oder Handwerksdienstleister können das technische Fuhrparkmanagement bequem der Werkstatt übertragen. Die Betriebe können so früh Wartungsarbeiten koordinieren und somit Standzeiten der Fahrzeuge reduzieren. Das ist die Basis für eine enge Bindung zwischen Fahrzeugbetreibern und Werkstatt.

Die Telematik-Lösung wird demnächst auch eine große deutsche Versicherungsgesellschaft in den Praxisbetrieb aufnehmen. Das Ziel ist, damit jüngeren Fahrern günstigere Policen anzubieten. Diese wiederum stellen im Gegenzug ihre Telematik-Daten zur Verfügung und belegen somit, dass sie mit defensivem Fahrverhalten unterwegs sind. Somit fördert die Telematiklösung von Bosch eine ökonomische und sichere Fahrweise.

Leben retten durch Einsatz von Augmented Reality

Mit Augmented Reality entsteht eine Verbindung zwischen realer und virtueller Welt. Sie ermöglicht völlig neue Arbeitsmethoden für eine moderne Werkstatt. Der Mitarbeiter richtet die Kamera eines Tablets oder eines Smartphones auf das Fahrzeug. Dabei erscheinen wichtige Zusatzinformationen in dem realen Bild des Autos. Das können erläuternde Texte wie Betriebsanleitungen oder Schaltpläne, dreidimensionale Objekte, Fotos oder Videos sein. Diese Informationen sorgen für ein tieferes Produktverständnis, erleichtern die Fehlersuche und ermöglichen ein effizienteres Arbeiten.

Augmented Reality kann zudem auch lebensrettend sein. Zusammen mit der Daimler AG hat Bosch eine App entwickelt, um Feuerwehren beim Aufschneiden von Fahrzeugen zu unterstützen. Grundlage ist die Bosch „Common Augmented Reality Platform (CAP)“, mit der Anwendungen für verschiedene Fahrzeugvarianten erzeugt werden können. CAP ermöglicht damit erstmals den Einsatz von Augmented Reality im industriellen Maßstab.

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