Tradition trifft auf Moderne

Weltweit erste 3D-gedruckte Plisseefalten werden zu Kostümen für die Oper

Chinesische Tradition, moderne Technologien, geometrische Formen und maßgeschneiderte Designkunst treffen nächsten Monat in London aufeinander, wenn die Akteure der Peking-Oper „Farewell My Concubine“ 3D-gedruckte Kostüme mit Plisseefalten tragen, die per SLS-Verfahren mit Sinterit Lisa Druckern gefertigt wurden.

 

Die Peking-Oper

Die Mode verkörpert die Kunstrichtung, mit der man täglich zu tun hat – unabhängig davon, ob man Fußgänger auf der Straße beobachtet, bunte Zeitschriften durchblättert oder an Kulturveranstaltungen teilnimmt. Es kommt aber auch vor, dass modische Entwürfe keine episodenhafte Rolle, sondern eine der Hauptrollen spielen. In der berühmten Peking-Oper (welche die Funktion des klassischen Nationaltheaters im Reich der Mitte einnimmt) sind Bühnenbild und Dekorationen auf ein Minimum reduziert. Die Symbolik, die in den Requisiten, Masken und Gewändern einer Figur zum Ausdruck kommt, erzählt die Geschichte – indem die Figur mithilfe der Symbolik genau in der Wirklichkeit des dargestellten Zeitalters verankert wird.

 

Fold the Inter-fashionality

Im Rahmen des Projektes „Fold the Inter-fashionality“ verbanden Mingjing Lin und Tsai-Chun Huang – Doktorandinnen des berühmten Londoner Royal College of Arts – moderne Technik mit traditionellem Handwerk. Die Designerinnen machten sich die neuesten Errungenschaften im 3D-Druck zu eigen und nutzten eine traditionelle, östliche Plissiertechnik, um ein völlig neues textiles Material zu erschaffen. Das so erzeugte Gewebe diente zur Herstellung von Kostümen für die Schauspieler der außergewöhnlichen Vorstellung der Peking-Oper „Farewell My Concubine“, deren Premiere im Royal College of Arts für den 1. Dezember 2017 geplant ist. Die Nutzung völlig neuer Stoffe bei der Aufführung macht die Durchführung weiterer Forschungen möglich, die den Zusammenhang von Bewegung, Körper und Mode betreffen.

 

Flexa Black und Algorithmus

Die Modebranche entdeckte den 3D-Druck schon vor einigen Jahren für sich. Die Möglichkeit, Entwürfen Elemente hinzuzufügen, die an geometrische Skulpturen erinnern, wurde zu einem Spielfeld für Designer. Die Verwendung des elastischen Materials Flexa Black beim 3D-Druckverfahren SLS zur Produktion von Kostümen für das Projekt „Fold the Inter-fashionality“ ermöglichte ein präzises Ausdrucken der plissierten Struktur, die von Tsai-Chun Huang entworfen und von Mingjing Lin auf einen speziellen Algorithmus übertragen wurde. Im Gegensatz zur populären gedruckten 3D-Mode, die häufig steif ist und sich wie eine harte Rüstung verhält, blieben die unter Verwendung des neuen Systems erzeugten Kostüme weich und beweglich. Für die Designerinnen ist dies die Eröffnung eines neuen „Dialoges“ zwischen Kleidung und Bewegung, den man früher aufgrund der Beschränkungen des steifen Materials nicht zu sehen bekam.

Mingjing Lin:

„Es kam uns darauf an, ein neues, pionierartiges Kostüm zu erschaffen, dessen Gestalt und Form an die Tradition der Peking-Oper anknüpft. In Einvernehmen mit der zeitgenössischen Ästhetik sah der Entwurf eine Vereinfachung der Formen voraus – eine größere Subtilität dank der Verwendung monochromer Farben und einer geringeren Anzahl von Verzierungen. Die Kostüme wurden unter Verwendung des bahnbrechenden Verfahrens SLS (Selektives Lasersintern) mit 3D-Druckern von Sinterit ausgedruckt. Die umgestalteten und komplizierten Muster konnten nicht unter Verwendung klassischer Konstruktions- und Nähtechniken aus Stoffen realisiert werden. Die Eigenschaften des Materials Flexa Black ermöglichten es uns, die geometrische Struktur der Kleidung sowie eine Weichheit beizubehalten, die derjenigen nahekommt, die für traditionelle Stoffe charakteristisch ist.“

 

Ästhetik der digitalen Kultur

Die Verwendung von 3D-Druck für die Aufführung entsprang der Absicht der Designerinnen, die Ästhetik der digitalen Kultur zu einem Bestandteil zu machen, als Gegenentwurf dessen, wie die Peking-Oper von der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Die Oberflächenstruktur der dreidimensionalen Stoffe unterscheidet sich von traditionellen Kleidern. Die neue Qualität, die aus der Verwendung untypischer Materialien hervorgeht, kann das Interesse völlig neuer Rezipienten am Spektakel hervorrufen, die sich vom überwältigenden traditionellen Kostüm der chinesischen Oper bisher weniger angesprochen fühlten.

Mingjing Lin und Tsai-Chun Huang waren sich bei der Aufnahme der Arbeit am Projekt bewusst, dass es erheblich über den Modebereich hinausgeht. Es verkörpert ein deutliches Spiegelbild für den Kulturaustausch, den Dialog zwischen Ost und West, zwischen Moderne und Tradition, Technologie und Handwerk. Es ist ein entscheidender Schritt, der das Ausmaß zeigt, in dem sich scheinbar voneinander unabhängige Bereiche durchdringen: Kultur, Kunst und Technologie.

 

3D-gedruckte Haute Couture

Die Bereitstellung von Geräten zum 3D-Druck mit dem Druckverfahren SLS an Designer und somit das Verleihen der Möglichkeit, einzelne Elemente im eigenen Atelier zu produzieren, war ein revolutionärer Schritt, den Sinterit als erster Hersteller von SLS-Schreibtischdruckern bereits im Jahr 2014 unternahm. Heute reichen die Effekte dieser Revolution wesentlich weiter – sie erstrecken sich auf Bereiche, die mit der modernen Technologie scheinbar nicht verbunden sind: auf den Modebereich und sogar auf die Oper. Das Handwerk, das tief in der Tradition verwurzelt ist, hat eine neue Dimension gewonnen, und Designprojekte, die sich aus Teilen zusammensetzen, die im 3D-Druckverfahren SLS hergestellt werden, reihen sich in die prestigeträchtige Modekategorie Haute Couture ein.

Zu Sinterit

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